Nachdem mein vor über 5 Jahren selbstgebauter 3D Drucker – ein aus Gewindestangen zusammengeschraubter Prusa i2 – schon deutliche Spuren des fortschreitenden Verfalls zeigt, hat conrad.at einen sehr guten Zeitpunkt erwischt, um mir einen Bausatz des neuen Renkforce RF500 3D Druckers zu Testzwecken zur Verfügung zu stellen.

Der RF500 füllt sowohl vom Leistungsumfang als auch preislich die Lücke zwischen dem großen Renkforce RF2000 und dem kleinen Einsteigergerät RF100.

Der Bausatz wird ohne beheizbares Druckbett geliefert und eignet sich damit vorerst mal nur zum Druck von PLA-Filament (1,75mm). Bei einem Düsendurchmesser von 0,4mm unterstützt das Gerät eine Druckschichtdicke von 0,05 – 0,3mm und einen Bauraum von 210 x 135 x 170mm.

Aus dem Bausatz habe ich in ca. 6 Arbeitsstunden anhand der Anleitung ohne größere Probleme den einsatzbereiten Drucker zusammengebaut. Die Anleitung steht als PDF auf der Produktseite zum Download bereit (Abschnitt: Dokumente und Downloads) und es empfiehlt sich, vor Baubeginn zu überprüfen, ob man das für den Bau  benötigte Werkzeug auch wirklich zur Verfügung hat, da es sonst während des Zusammenbaus immer wieder zu ungewollten Verzögerungen kommt. Zusätzlich lohnt es sich, alle Bauteile vor dem Baubeginn durchzuschauen und vor allem die Schrauben und Distanzhülsen der Größe nach zu sortieren.

Der Rahmen des Renkforce RF500 ist vollständig aus hochwertigen 20mm Aluprofilen aufgebaut, die mit 5mm Zylinderkopfschrauben verbunden werden. Beim Aufbau ist wichtig, dass der Rahmen auf einer ebenen Fläche zusammengebaut und beim Anziehen der Schrauben möglichst exakt rechtwinklig ausgerichtet wird. Der Rahmen ist wie der ganze Drucker vollständig aus Metall aufgebaut, lediglich die Standfüße sind aus Kunststoff, damit sie mit etwas Druck – notfalls in einem Schraubstock – in die Kugelkopfschrauben gepresst werden können. Für die Achsen werden THK Linearführungen verwendet, die hohe Präzision auch bei dauerhaften Einsatz sicherstellen sollen.

Auch der im Renkforce RF500 verwendete Filament-Extruder und das Hotend werden selbst zusammengebaut, was mein Verständnis für diese doch kritischen Bauteilgruppen deutlich verbessert hat und auch die Hemmschwelle vor der erneuten Zerlegung zu Wartungszwecken senkt. Das war in den ersten Wochen aber noch nicht notwendig.

Die Elektronik des RF500 basiert auf einem Arduino Mega, auf den ein RAMPS-Shield mit 4 Schrittmotortreibern aufgesteckt wird. Beim Zusammenbau sind dabei keine Lötarbeiten notwendig, alle Kabel zu den Schrittmotoren und Endschaltern sowie zur Heizpatrone samt Temperaturfühler werden über Stecker verbunden – genauso wie das Display, über das der Drucker mithilfe eines Drehknopfs gesteuert werden kann.

Auf dem Arduino Mega läuft eine von Conrad angepasste Marlin Firmware. Als Slicer wird RepetierHost empfohlen. Eine direkt einsetzbare Version der Software samt Konfiguration für den RF500 wird zur Verfügung gestellt, allerdings nur für Windows. Für Linux und Mac ist es nicht ganz so einfach, vor allem für den Mac gibt es aktuell nur eine ältere Version von RepetierHost, was die manuelle Konfiguration nicht gerade erleichtert.

Die vom Slicer erzeugte GCODE-Datei kann entweder direkt vom PC aus an den Drucker gesendet werden oder – meine bevorzugte Variante – auf eine SD-Karte gespeichert und von dieser gedruckt werden. Das hat auch den Vorteil, dass während des Drucks kein PC laufen muss und damit eine mögliche Fehlerquelle (automatische Windows-Updates etc.) ausgeschaltet wird.

Der Bausatz wird ohne ein beheizbares Druckbett geliefert, kann also in der Form nur PLA und keine ABS Kunststoffe drucken, da ABS ohne beheiztes Druckbett während des Druckvorganges zu stark schrumpft und sich von der Druckplatte lösen würde. Gedruckt wird auf eine 3M Haftfolie, die auf die Glasplatte geklebt wird und die bei PLA Drucken wirklich gut funktioniert und auch nach einigen Wochen noch keine Ermüdungserscheinungen zeigt.

Als Bewährungsprobe für den Drucker habe ich das bekannte Zahnradkugellager des Thingiverse-Users Emmet gedruckt. Das ist ein Planetengetriebe, bestehend aus  7 Zahnrädern, die sich innerhalb eines umschließendes Zahnradrings bewegen und so gestaltet sind, dass sie sich auch nicht entfernen lassen. Das gesamte Getriebe wird in einem Stück gedruckt und war direkt nach dem Abnehmen vom Druckbett funktionsfähig.

Mein Video zum Renkforce RF500 Maker Bausatz:

Mein Fazit:

Der Renkforce RF500 Maker Bausatz bietet im Vergleich zu meinem alten 3D Drucker eine enorme Verbesserung bei Komfort, Geschwindigkeit und Druckqualität und ist derzeit mein Standarddrucker und fast täglich im Einsatz. Fehldrucke oder Druckabbrüche gab es bisher nur bei fehlerhafter Filament-Zufuhr, die ich aber durch den Ausdruck zusätzlicher Filamenthalterungen für die von mir verwendeten Rollen in den Griff bekommen habe.

Mit der Windows-Version von RepetierHost habe ich mich zwangsweise angefreundet, möchte aber möglichst bald mit Cura slicen – sobald ich die Konfiguration für den RF500 richtig hinbekommen (oder ein fertiges Profil dafür gefunden) habe.

Der großteils gut durchdachte Aufbau des Rahmens gefällt mir sehr gut und lässt viel Raum für die Montage eigener Erweiterungen (GoPro-Halterung usw). Erstaunt hat mich die trotz fehlenden Gehäuses sehr geringe Geräuschentwicklung beim Druck, vor allem im Vergleich zu meinem alten Prusa i2.

Die Kritikpunkte beschränken sich aus meiner Sicht neben der an manchen Stellen nicht ganz eindeutigen Anleitung (manche Punkte wurden in der Zwischenzeit bereits korrigiert) auf den vergleichsweise kleinen Bauraum, der bei meinen üblichen Anwendungen (Kleinteile für meine Bastelprojekte) aber keine Rolle spielt.

Alles in allem ist der Renkforce RF500 Maker Bausatz ein sehr empfehlenswerter 3D Drucker. Der aktuelle Preis (Stand 06/2017) von €699,00 liegt natürlich über dem ähnlicher Bausätze aus China, man bekommt aber auch eine entsprechende hohe Qualität bei der Anleitung und in der Ausführung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.